August Wittgenstein im Interview

Er ist Schauspiel-Star mit Genuss-Gen: August Wittgenstein Spricht im Interview über seine Liebe zu Craftbier, Kaiserschmarren und Rotwein

FOODIE: August, du lebst in Berlin Mitte, mit Ausgehen war es die letzten Monate ja nichts. Wie hast du dich über Wasser gehalten? 

August Wittgenstein: Mit kochen und backen. Ich habe Sachen ausprobiert, die ich noch nie gemacht habe, wie das Banana Bread aus meiner Lieblingsbäckerei an der Bondi Beach. Dort, in Sydney, habe ich während eines Austauschsemesters gewohnt; oder auch original Wiener Apfelstrudel mit eingelegten Rosinen und selbst gemachter Vanillesauce. Seit meiner Studienzeit in Los Angeles habe ich eine Schwäche für mexikanische Küche – ganz groß finde ich einen guten Breakfast Burrito! Außerdem habe ich angefangen, mich über Bier an neue Rollen heranzutasten.

FOODIE: Bedenklich ....

August Wittgenstein: Im Gegenteil! Ich lebe in der Regel fürchterlich gesund. Aus L.A. habe ich auch das Ölziehen mitgebracht, also das Spülen der Mundhöhle, um Schadstoffe zu binden. Ich nehme Sesam- oder Kokosöl, das schmeckt mir am besten. Und jeden Morgen trinke ich ein Glas Wasser mit Biozitronensaft und am Abend verdünnten Apfelessig. Der Saft macht den Körper basischer, und der Essig unterstützt die Verdauung. Zum Bier kam ich über den Podcast „Schaumgeboren“, den ich mit meiner Kollegin Birte Hanusrichter aus unserer Serie „Jenny – echt gerecht!“ mache. Jede Woche testen wir zwei Craftbiere. Für mich ist das eine Riesenbereicherung, mich beeindrucken das Handwerk, die Leidenschaft der Brauer, dieses Rock‘n‘Roll-Flair. Über 60 Folgen gibt es schon. Aus Berlin hatten wir „BRLO“, „Berliner Berg“ und auch die verrückten Berliner Weißen von „Schneeeule“. Seitdem überlege ich anhand der Dialoge im Drehbuch, ob eine Figur wohl eher helles Pils, ein schokoladiges Stout oder fruchtiges IPA mögen würde.

FOODIE: Was für ein Bier-Typ bist du?

August Wittgenstein: Privat noch Amateur. Beim Wein allerdings mag ich die vollmundigen Roten aus Napa Valley und Santa Barbara in Kalifornien oder aus Piemont; ich liebe guten Babaresco oder Brunello di Montalcino.

FOODIE: Was magst du auf dem Teller überhaupt nicht?

August Wittgenstein: Bei einer Sache sage ich gleich am Tisch: „Sorry, aber das werde ich nicht essen“ – das skandinavische Festtagsgericht Lutefisk. Dafür wird Stockfisch drei Tage in Natronlauge eingelegt und dann im Ofen aufgekocht – wirklich furchtbar.

FOODIE: Und was ist deine Leidenschaft?

August Wittgenstein: Kaiserschmarren! Da kommt im Restaurant Vorfreude auf; man bestellt und wartet bis zu 30 Minuten mit Spannung. Irgendwer will dann, dass man teilt – davon bin ich absolut kein Fan. Kaiserschmarren will ich für mich allein. Der und alles, was mit fangfrischem Seafood zu tun hat, ist für mich Balsam für die Seele …

FOODIE: Kurz zu deiner Herkunft: Deine Schwester ist Anna Prinzessin von Bayern und deine Mutter eine schwedische Gräfin … … aus Nyköping südlich von Stockholm.

August Wittgenstein: Jede Sommerferien haben wir dort verbracht, mit allem, was dazugehört: Krebse oder Krabben frisch mit Dillkartoffeln … und die tollen Desserts und Kekse. Wenn ich an Schweden denke, bekomme ich sehr nostalgische Gefühle! Mir gefällt auch, dass die Schweden ihre Küche und traditionellen Restaurants regelrecht zelebrieren; man achtet sehr, sehr viel auf Qualität und regionale Produkte und ist zu Recht stolz darauf.

FOODIE: Haben sich bei euch adelige Benimmregeln bei Tisch erhalten?

August Wittgenstein: Mein schwedischer Großvater war noch streng. Gerade sitzen war wichtig, und das Tragen einer Basecap im Haus war nicht erlaubt. Und wenn man irgendwo eingeladen war, soll man sich mit einer handgeschriebenen Karte bedanken.

FOODIE: Wie hältst du es damit?

August Wittgenstein: Füllfederhalter, Dankeskarten und eigenes Briefpapier liegen auf meinem Schreibtisch parat – und ich versuche auch, die Zeitspanne zwischen dem Ereignis und dem Abschicken der Dankesworte möglichst gering zu halten.

FOODIE: Was sind deine Lieblingsläden in Berlin?

August Wittgenstein: Das „893 Ryotei“ in der Kantstraße macht gutes Essen, und die Osteria „Ribaltone“ am Viktoria-Luise-Platz ist grandios! Mein Lieblingswochenmarkt ist freitags auf dem Arkonaplatz in Mitte. Ich kaufe auch gern in der Foodetage im KaDeWe ein, zwar sündhaft teuer, aber gut.

FOODIE: Was hast du beim Dreh von deiner Serie „Ku‘damm 63“ gelernt?

August Wittgenstein: Ich habe gelernt, dass wenn man als deutsche Hausfrau in den 60er-Jahren den Festtagsbraten in den Sand setzte, konnte man eigentlich gleich in eine andere Stadt ziehen und seinen Namen ändern, so sehr hat man sich damals für derartiges Versagen geschämt.

Biografie August Wittgenstein

schaumgeboren-podcast
Der Podcast von August Wittgenstein und Birte Hanusrichter "Schaumgeboren"

Der deutsch-schwedische Schauspieler August-Frederik Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (40), bekannt als August Wittgenstein, kommt aus Bad Laasphe bei Siegen. Er studierte Geschichte an der Georgetown University in Washington, danach Schauspiel in New York und Los Angeles. Sein Filmdebüt hatte er 2009 als Schweizer Gardist in „Illuminati“, es folgten „Ludwig II“ und „The Congress“. In TV-Serien hatte er Hauptrollen in „Das Boot“ und in „Das Geheimnis des Totenwaldes“ sowie eine Nebenrolle in „The Crown“. Im Dreiteiler „Ku‘damm 63“, der neuen Staffel des Familiendramas, schlüpft er erneut in die Rolle von Helga Schöllacks homosexuellem Ehemann Wolfgang von Boost. Sein Podcast Schaumgeboren über Bier läuft auf Portalen wie Itunes, Deezer, Spotify.