Sibel Kekilli im Interview

Die Schauspielerin Sibel Kekilli im Foodie-Interview über Spätzle, Börek und ihr Gespür für wahre Lebensmittel.

FOODIE: Liebe Sibel, Kinos und Theater zu, Drehs verschoben. Auch Schauspieler sind schwer gebeutelt. Du hast dazu gerade einen Film gedreht: „Shutdown“.

Sibel Kekilli: Ja, zu Hause isoliert und ohne Job will sich Sarah, meine Figur, im Lockdown selbstständig machen, nach dem Motto: „Jetzt erst recht!“ Per Videocall versucht sie Freunde, ihre Mutter und den Ex-Mann von einem Lieferdienst für gute Lebensmittel zu überzeugen. Keiner hilft, zeigt Mut oder gibt Geld. Warum gerade Lebensmittel? Die Menschen entwickeln immer mehr ein Bewusstsein für gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensmittel. Man ist bereit, mehr Geld dafür in die Hand zu nehmen. Saisonale und regionale Erzeugnisse werden wichtiger, auch Bioprodukte. Natürlich können sich das nicht alle immer und überall leisten, denn diese Qualität kostet leider auch etwas. Aber ich bemerke da generell ein Umdenken.

FOODIE: Wie hältst du persönlich es damit, wo kaufst du Lebensmittel – worauf achtest du?

Sibel Kekilli: Gern bin ich auf dem Wochenmarkt in Hamburg-Altona – eigentlich kaufe ich überall, wo es frische Produkte aus der Region gibt. Fleisch esse ich zu Hause momentan gar nicht. Ich möchte wissen, woher das Fleisch kommt, stammt es aus tierfreundlicher Haltung? Das ist leichter rückverfolgbar, wenn ich auf dem Land wohne. Bio ist ja auch nicht gleich Bio. Du kannst am Geschmack unterscheiden, ob es sich um minder- oder hochwertiges Fleisch handelt. Das Gleiche gilt für Obst und Gemüse. Da ich vor Corona viel unterwegs war, kann ich mehr vergleichen. Die Tomaten in Georgien etwa schmecken nach richtigen Tomaten. Da merkt man, dass hier die meisten Tomaten nach nichts schmecken. Leider haben wir uns daran längst gewöhnt.

FOODIE: Ursprünglich bist du Schwäbin, hast aber auch Wurzeln in der Türkei, in Kappadokien – welche Küche ist dir näher?

Sibel Kekilli: Ich liebe die türkische Küche genauso wie die schwäbische. Spätzle, Schupfnudeln, Maultaschen. Ich denke zwar, dass die schwäbische Küche schon deftig und kräftig ist, dafür zählt sie für mich zu den leckersten in ganz Deutschland. Das türkische Essen ist extrem vielfältig. Das fängt beim Frühstück an, mit zig Schälchen Käse, Honig, Butter, Oliven, frischem Gemüse, verschiedenen Pasten, frischem Fladenbrot oder Sucuk mit Ei. Leider kennt man in Deutschland aber fast nur Döner Kebab.

FOODIE: Ein Ort mit guter schwäbischer Küche, auch gern in Heilbronn, den du magst.

Sibel Kekilli: Der „Ratskeller“ im Gewölbe unterm Rathaus von Heilbronn ist eine Institution mit einer gelungenen Mischung aus bodenständiger, doch raffinierter Küche. Und das „Kaffeehaus Hagen“ mit einem hervorragenden frischen Mittagstisch.

FOODIE: Bist du eine Genießerin?

Sibel Kekilli: Für mich persönlich gibt es nichts Schöneres und Geselligeres, als mit Freunden gemeinsam zu kochen oder essen zu gehen. Ich mag es, wenn Essen zelebriert wird, in kleinen Mengen und mehreren Gängen, wie es in der Türkei, aber auch Portugal, Spanien oder im asiatischen Raum üblich ist.

FOODIE: Was war dein Lieblingsgericht als Kind?

Sibel Kekilli: Den selbst gemachten Milchreis meiner Mama habe ich sehr geliebt. Aber auch ihre Manti oder frisch gebackene Yufka, Fladenbrot, mit Butter bestrichen.

FOODIE: Sucuk, kleine Knoblauchwürstchen, Manti oder auch Pastirma, eine Art Rindfleischschinken – Kappadokien hat wunderbare Spezialitäten.

Sibel Kekilli: Ja, alle sehr lecker. Ich hatte das Glück, dass bei uns immer gut und traditionell gekocht und gegessen wurde. Vor allem aber im Bergdorf, in dem wir unsere Sommerferien oft verbracht haben, wurde Sucuk selbst gemacht, Manti mit Hackfleisch und Joghurtsauce mit Sumak gekocht. Und diese Spezialtäten haben wir dann natürlich haufenweise mit nach Deutschland genommen.

FOODIE: Du hast eine neue Küche: Kochst du – und was?

Sibel Kekilli: Ja, wo ich mehr zu Hause war, habe ich mir eine neue Küche gegönnt. Der Backofen ist auf Augenhöhe, der Stauraum ausgeklügelt. Seitdem koche ich wieder gern. Vielleicht wage ich mich jetzt auch vermehrt an die traditionelle türkische Küche.

FOODIE: Bestellst du auch Lebensmittel oder Take-away im Internet?

Sibel Kekilli: Nein, bis jetzt nicht. Ich erledige diese Dinge lieber persönlich oder lasse mir das Essen direkt vom Restaurant liefern.

FOODIE: Gibt es ein Restaurant, wo du gern bestellst?

Sibel Kekilli: Ich liebe das „Eisenstein“ in Hamburg-Ottensen, die haben unter anderem die besten Pizzas, wie etwa „Blöde Ziege“ mit Ziegenkäse und Rosmarin. Selbst im Lockdown war man da, und die Bestellung wird auch mal vom Chef persönlich ausgefahren – inklusive kleinem Haustürplausch.

FOODIE: Was ist dein Wunsch für die Zukunft nach Corona?

Sibel Kekilli: Ich wünsche mir, dass wir Menschen weniger egoistisch und weniger auf Konsum aus sind, dass wir bewusster mit der Umwelt umgehen. Und dass wir mehr aufeinander achtgeben. Ich persönlich möchte einfach mal wieder im Café sitzen dürfen, Freunde treffen und wieder reisen können.

Biografie Sibel Kekilli

Die deutsche Schauspielerin Sibel Kekilli wurde in Heilbronn als Tochter eines türkischen Gastarbeiterpaars aus Kappadokien geboren. Nach einer Ausbildung und Tätigkeit als Fachangestellte in der Stadtverwaltung verließ sie Baden-Württemberg, um eigene Wege zu gehen. Mit Erfolg: Zweimal wurde sie beim Deutschen Filmpreis mit der Lola in Gold für die beste weibliche Hauptrolle ausgezeichnet: 2004 in Fatih Akins „Gegen die Wand“ und 2010 in „Die Fremde“ von Feo Aladag. In der amerikanischen Fantasy-Fernsehserie „Game of Thrones“ war sie zu sehen und als Sarah Brandt im Kieler „Tatort“. Ihr neuester Film „Shutdown“ über Leben im Lockdown ist komplett per Zoom gedreht. Auch privat kämpft sie für Menschenrechte, ist Gründungsmitglied des Frauennetzwerks UNIDAS und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Sie lebt in Hamburg-Altona.