M. Lee Greene im Interview

Als Gründerin des Foodhub NRW weiß M. Lee Greene, wie es Start-ups in der Krise geht und wie sie mit ihr fertig werden. Wir haben sie zum Interview getroffen.

FOODIE: 2020 stand im Zeichen der Coronakrise. Wie hat sich das auf Food-Start-ups ausgewirkt? 

M. Lee Greene: Das kann man nicht pauschalisieren. Verschiedene Faktoren wie der Vertriebsweg und das Produkt des jeweiligen Start-ups waren entscheidend. Bei Wein-Onlineshops gibt es viele junge Unternehmer, die einen kleinen Markt bedient haben und durch die Krise stark gewachsen sind. Für die waren Online-Tastings und E-Commerce nichts Neues, und so haben die unheimlich profitiert.

Und die Verlierer?

M. Lee Greene: Wenn wir bei Getränken bleiben, hat es ein Limo-Start-up viel schwerer gehabt als ein Weinversender. Deren Abnehmer sind Supermärkte und vor allem die Gastronomie. Hier ist die Marge klein, und es lohnt sich kaum, ein Sixpack Limo zu verschicken. Dazu kam, dass Investoren ihr Kapital lieber in Produkte investierten, die sie schon länger unterstützen. So ist einigen Start-ups die geplante Finanzierungsrunde weggebrochen.

Wie haben Start-ups auf die veränderten Bedingungen reagiert?

M. Lee Greene: Generell sind Start-ups agil und offen für neue Strömungen. Sie konnten schnell auf die Krise reagieren, vor allem, weil die meisten online gut aufgestellt sind und neben dem Supermarkt eigene, direkte Vertriebswege nutzen. Auch die Kommunikation mit dem Kunden ist häufig viel direkter.

Hast du ein Beispiel?

M. Lee Greene: Das Start-up Cookie Brothers hat seine junge Zielgruppe, die sowieso zu Hause war, dazu gebracht, in Supermärkte zu gehen und nach deren Produkt, Keksteig zum Löffeln, zu fragen. Das Ganze war eine TikTok-Challenge, die dazu geführt hat, dass das Produkt in kurzer Zeit bei über 1000 neuen Märkten gelistet wurde.

Gab es auch Neugründungen während der Krise?

M. Lee Greene: Oh ja! Die Krise hat den Megatrend Nachhaltigkeit und Regionalität noch verstärkt, und im Food-Delivery-Bereich ist viel passiert.

Ein Bereich, der hier noch unterentwickelt ist.

M. Lee Greene: Kommt drauf an. In Großstädten braucht man eigentlich keinen Lieferservice, Supermärkte sind überall. In Kleinstädten sieht das anders aus, da können Lieferdienste eine echte Hilfe sein. PICNIC aus den Niederlanden setzt genau auf diese Regionen und ist damit ziemlich erfolgreich. Aber auch neue Technologien wurden durch Corona populär, wie Einkaufen ohne Kasse.

Reingehen, Produkt einstecken und wieder raus?

M. Lee Greene: Genau. Das funktioniert entweder über das Smartphone oder intelligente Regale, die merken, was entnommen wurde. Auch das klappt gut in kleinen Orten, wenn so ein kontaktloser Supermarkt als eine Art Container flexibel aufgebaut werden kann.

Wurde in der Krise auch in Unternehmen investiert?

M. Lee Greene: Das Beispiel von Flaschenpost ist ziemlich beeindruckend. Ein Start-up, dass Getränke ausliefert, wurde für einen sehr hohen Betrag von Dr. Oetker gekauft. Wahrscheinlich hatten sie die Firma schon vorher im Auge, aber Corona hat Flaschenpost noch mal einen richtigen Schub gegeben, und Dr. Oetker hat zugeschlagen.

Was ist das wichtigste Learning aus der Krise?

M. Lee Greene: Es hat sich gezeigt, dass nichts selbstverständlich ist. Also nie den Blick nach außen verlieren – auch wenn es schwer ist.

Über Foodhub NRW

Das Foodhub NRW ist eine Innovationsplattform, die die Akteure der Agrar- und Lebensmittelbranche miteinander vernetzt. Die Idee dahinter ist, zusammen Produkte entwickeln, um gemeinsam schneller auf dem Markt erfolgreich zu sein.